Artikel verfasst von Frank Joung
Diese Episode ist Teil der Serie „Integration durch Sport“

Alexandra Ndolo wurde in Bayreuth geboren – als Kind eines Kenianers und einer Polin. Die Fechterin spricht über den Schießkeller ihrer Schule, die Fecht-Begeisterung in Kenia – und warum sie Dialoge an Baustellen manchmal glücklich macht.

Dann muss eben der Bausparvertrag dran glauben. Alexandra Ndolo benötigte das Geld, um zu einem internationalen Turnier zu fliegen. „Das hatte sich der Opa sicher auch anders vorgestellt“, sagt sie. Fechten in Deutschland ist eben kein Sport, der reich macht. Zu stark ist die Dominanz des Fußballs. Allerdings – und das betont Alexandra stets – sei Fechten mittlerweile auch kein Elitesport mehr, der nur (weißen) Reichen vorenthalten ist. Das beste Beispiel sei sie selbst.

Fünfkampf mit zehn Jahren

Die Sportkarriere von Alexandra fing beim Modernen Fünfkampf an. Die Kombination aus Laufen, Schwimmen, Schießen, Reiten und Fechten liegt ihr. Sie ist athletisch und vielseitig – und das schon als Zehnjährige. Schon früh feiert sie große nationale Erfolge.

In der Schule allerdings springt sie als Teenagerin nur so hoch, wie sie muss. Aber auch da hilft der Sport letztendlich.

„Es war gut, dass ich Leistungssport gemacht habe. Meine Trainer haben gesagt: Wenn deine Noten zu schlecht werden, darfst du nicht mehr ins Training kommen.“

Also strengt sie sich an.

Nach einer kleinen Sportpause, in der sie sich vom Fünfkampf verabschiedet, fährt sie nach ihrem Abitur „zum Spaß“ zu den Bayrischen Fechtmeisterschaften – und gewinnt. Bei den darauffolgenden Deutschen Meisterschaften wird der Bundestrainer auf die „Quereinsteigerin“ aufmerksam und bietet ihr an, sie zu  trainieren. Sie sagt zu. Seitdem – mehr als einem Jahrzehnt – arbeitet sie daran, sich ihren Traum von Olympia zu verwirklichen.

Kulturschock in Kenia

Einen anderen Herzenswunsch hat sie sich bereits erfüllt. Sie hat den Fechtverband in Kenia mitgegründet und es den Menschen dort ermöglicht, das Fechten zu erlernen. Auch wenn das heißt, manchmal eigenhändig Material rüberzuschaffen. „Ich liebe es einfach, die Begeisterung dort zu sehen.“

Das Heimatland ihres Vaters hatte sie erst als junge Erwachsene bereist – das erste Mal nach langer Zeit mit ihrem damaligem Freund und ihrer Mutter. Der Vater verstarb, als Alexandra zehn Jahre alt war.

In den vergangenen Jahren hat sie eine stärkere Beziehung zu dem ostafrikanischem Land und ihren Verwandten dort aufgebaut. „Ich wollte die andere Seite der Familie kennenlernen.“ Auch wenn der anfängliche Kulturschock groß war, lernt sie das Land schnell lieben und versucht, es regelmäßig zu besuchen.

Der Bezug zu ihrer polnischen Seite war die Jahre über immer präsent. Sie habe früher oft die Sommerferien bei ihrem Onkel in Polen verbracht und spricht auch polnisch – was bis heute bei anderen manchmal für überraschte Irritation sorgt.

“Das gehört alles zu mir”

Mittlerweile hat Alexandra erkannt, dass sie all ihre Kulturen und Einflüsse in sich vereinen kann und darf. Und das sie auch all das repräsentieren kann, wenn sie für die deutsche Nationalmannschaft antritt.

“Mich nervt, wenn Menschen ohne gemischten Hintergrund nicht nachvollziehen wollen, dass man sich mehreren Kulturen zugehörig fühlt. Für mich ist klar: Ich bin drei Sachen und ich muss mich da nicht entscheiden oder rechtfertigen. Das gehört alles zu mir.”

Instagram: @alexandrandolo

Die Serie “Halbe Katoffl Sport“ ist im vergangenen Jahr in Kooperation mit „Integration durch Sport“ entstanden, anlässlich dessen 30-jährigen Jubiläums. Das Bundesprogramm wird vom Bundesinnenministerium und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert. Wegen des großen und positiven Zuspruchs wird die Podcastreihe in diesem Jahr fortgeführt. Sie erscheint immer Mitte des Monats. Hier findest du die anderen Sport-Episoden.