Diese Episode ist Teil der Serie „Integration durch Sport“

Pamela Owusu-Brenyah kommt 1982 in Hamburg zur Welt. Bei Halbe Katoffl spricht sie über die sehr weiße, aber für sie behagliche Voltigierwelt, das Leben und Auflegen in Ghana und unauthentische afrikanische Festivals.

Pamelas Eltern flüchten Ende der 1970er Jahre aus Ghana nach Deutschland. Als die politische Situation in Ghana einige Jahre später sich bessert, müssen die Eltern zurück – und Pamela bleibt in Deutschland. Erst lebt sie bei einer Pflegefamilie, deutsche Bekannte ihrer Eltern, dann kommt sie zu ihrem ghanaischen Onkel nach Düsseldorf. Bei ihm, seiner deutschen Frau und deren leiblichen Kindern wächst sie auf.

„Am Anfang war es schwierig. Ich erinnere mich, dass ich bei meinen Pflegeeltern sehr viel Liebe bekommen habe. Aus Sicht des Jugendamtes war das aber nicht die richtige Familie für mich. Deswegen musste ich da weg und kam zu meinem Onkel, der sehr streng war.“

Erst als Pamela in die Schule kommt, etwas später als gewöhnlich, ist sie auch offiziell in Deutschland.  Vorher hatte sie sich „illegal“ im Land aufgehalten – ohne dass sie sich dessen bewusst war. Pamela hat viele Freunde. Sie erinnert sich daran, ein fröhliches Kind gewesen zu sein, und dass sie gern zur Schule ging, an der sie die einzige Schwarze war: „Ich habe das Leben einfach so genommen wie es war.“

Sehr weißer Sport

Als Achtjährige beginnt sie mit Leichtathletik – und kommt dann recht bald zum Voltigieren. Auch hier ist sie die einzige Schwarze: „Der Reitsport ist ein sehr weißer Sport.“ Doch sie erlebt nach eigener Aussage keine Diskriminierung. Was zunächst als therapeutische Maßnahme gegen ihre Unruhe und „Hibbeligkeit“ gedacht ist, wird zu einer großen Leidenschaft, denn schnell wird deutlich, wie talentiert Pamela ist.

Sie startet in Wettkämpfen, reist viel herum; trainiert auch selber Kinder. Der Zusammenhalt in der Mannschaft, das gemeinsame Training und die Nähe zu den Pferden beruhigen sie und tun ihr gut. Sie wird gut angenommen – auch wenn sie phänotypisch sehr heraussticht. „Das war eine ganz besondere Zeit.“

Das Voltigieren nimmt, bis sie 21 Jahre alt ist und zum Studium der Politikwissenschaft nach Berlin geht, viel Zeit und Raum in ihrem Leben ein.

Leben und Auflegen in Ghana

Während die Umgebung und auch die Haushalte, in denen Pamela aufwuchs sehr weiß waren, wird ihr als junge Frau die Auseinandersetzung mit dem ghanaischen Anteil ihrer Identität immer wichtiger. 2011 wurde aus einem geplanten Urlaubsaufenthalt in Ghana ein ganzes Jahr. Nach einiger Zeit in Deutschland verbringt sie zwei weitere Jahre in Ghana und setzt sich konkret mit der Frage auseinander, dauerhaft dort zu leben.

„Ich fand es so interessant zu sehen, wie die Menschen denken und leben. Es ist ein ganz anderer Mindset. Die Menschen müssen sich was Eigenes erschaffen.“

Sie genießt, so auszusehen wie alle und nicht ständig angeschaut zu werden. In Deutschland passiere das jeden Tag mindestens ein Mal. „Manchmal denke ich mir: Google doch einfach „Schwarze Menschen“ – dann musst du nicht mich anstarren.“ Aber auch in Ghana muss sie ab und zu nervige Unterhaltungen führen. Viele glauben nicht, dass sie tatsächlich ghanaische Wurzeln hat. Sie wird oft als Amerikanerin wahrgenommen. Dennoch: Ghana hat es Pamela angetan: „Das Land hat mich echt gepackt.“ Mindestens einmal im Jahr versucht sie da zu sein.

Authentische Afrika-Events

Ihre Erfahrungen aus Ghana hat sie auch kreativ genutzt. Sie hat das „Afro x Pop“-Event ins Leben gerufen. Ein Food-und-Musikfestival, das das junge aktuelle Lebensgefühl und die authentische Kulturlandschaft in Afrika widerspiegeln soll – abseits von folkloristischen Vorstellungen.

„Viele afrikanische Festivals in Deutschland sind nicht up-to-Date.“

Pamela auf Instagram: @its_pambam

Die Serie “Halbe Katoffl Sport” ist entstanden in Kooperation mit „Integration durch Sport“, das dieses Jahr sein 30-jähriges Jubiläum feiert. Das Bundesprogramm wird vom Bundesinnenministerium und vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gefördert.

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