Artikel verfasst von Frank Joung

Jasmin Shakeri ist Songwriterin, Sängerin und Schauspielerin („Deadlines“, „Einfach mal was Schönes“). Die 43-jährige Berlinerin mit iranischen Wurzeln spricht mit Frank über Aggressionen beim Amt, was 9/11 mit ihrem Stipendium zu tun hatte und wie ihr Gefühl zur iranischen Revolution ist.

Jasmin wird am 11. August 1979 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren 1971 nach Deutschland gekommen, ihr neun Jahre älterer Bruder ist in Teheran geboren. „Ganz anderer Film“, sagt Jasmin.

Singen, Spielen & Hip Hop

Sie wächst in Berlin-Wilmersdorf auf. Der Vater ist Diplom-Ingenieur, die Mutter studiert erst Kunstgeschichte und Iranistik und übernimmt dann eine Boutique, wo sie selbst entworfene Frauenbekleidung verkauft.

Jasmin hat schon früh Lust zu spielen und zu singen, ist auch als Teenagerin nicht schüchtern. Hip Hop prägt sie – nicht nur musikalisch, sondern stärkt auch ihr Körperbewusstsein. „Da gab es schon immer auch andere Body Images. Damit konnte ich mich gut identifizieren“, sagt sie.

Kein Stipendium nach 9/11

Ein Schlüsselerlebnis ist ein Erlebnis im Studium. Sie bekommt ein Stipendium in Boston, worauf sie sich sehr freut. Allerdings tritt sie es nie an, weil die USA ihr aufgrund ihrer iranischen Herkunft die Einreise verwehren – nur einige Wochen zuvor hatte Terroristen einen Anschlag auf das World Trade Center verübt.

„Danach habe ich bildungstechnisch rot gesehen. Ich wurde auf dem Gipfel ausgebremst – danach habe ich mich krass ins Künstlerische rein geschmissen.“

Erst 15 Jahre später sollte sie ihr Versprechen an ihre Eltern einlösen, indem sie wieder zurück zur Uni geht und ihren Magister-Abschluss macht.

Jasmin schreibt Songs mit und für namhafte Künstler*innen wie Peter Maffay, Joy Denalane oder Andreas Bourani, sie singt Background und soll 2009 ihr eigenes Album rausbringen. Doch nur zwei Wochen vor Release stoppt sie die Veröffentlichung von „Perserkatze“, weil sie sich nicht mehr mit dem Inhalt identifizieren kann. Nur ein Jahr später stirbt ihre Großmutter und spätestens da wird ihr klar:

„Ich gehe nur auf die Bühne, wenn ich was zu sagen habe.“

In den letzten Jahren versucht sie sich mehr und mehr in der Schauspielerei – in der ZDF-neo-Serie „Deadlines“ spielt sie ihre erste Hauptrolle. Neben ihrer künstlerischen Arbeit ist sie immer auch aktivistisch engagiert. Die Situation im Iran beschäftigt sie seit Monaten.

„Kunst muss nicht immer politisch sein, aber wenn man sich als Mensch raus nimmt, ist das schwach.“